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April
2008 - Der Pirnaer Anzeiger im Interview mit dem Geschäftsführer der
WGP zum geplanten Abriss der Remscheider Straße 18-21
Das Interview
führte Stadtsprecher Klaus Hensel mit WGP-Geschäftsführer Jürgen
Scheible. Klaus Hensel: Herr
Scheible, wieso will die WGP auf dem Sonnenstein ein weiteres Gebäude
abreißen?
Jürgen
Scheible: Wir sind dazu gezwungen, weil es einen hohen
Leerstand an Wohnungen gibt und wir wissen, dass sich diese Situation
aufgrund der weiter zurückgehenden Bevölkerungszahl in den nächsten
Jahren nicht bessern wird. Auf dem Sonnenstein ist der
Bevölkerungsrückgang übrigens noch wesentlich höher als in den anderen
Stadtteilen. Die dadurch freigewordenen Wohnungen verursachen so hohe
Kosten, dass wir als Unternehmen dies nicht auf Dauer verkraften
können. Dem müssen wir Rechnung tragen, sonst hätten weder der
Sonnenstein noch die WGP eine positive Perspektive.
Klaus Hensel: Der Abriss
betrifft Häuser, in denen trotzdem noch viele Menschen leben. Wie gehen
Sie damit um, dass diese Mieter jetzt umziehen müssen?
Jürgen Scheible: Damit sprechen
Sie das größte Problem in diesem Zusammenhang an. Wir müssen Mieter
bitten umzuziehen, obwohl diese sich in ihrer jetzigen Wohnung wohl
fühlen. Es geht aber leider nicht anders, denn es gibt keine für den
Abriss geeigneten Objekte, die vollkommen leer stehen. Wir bemühen uns
deshalb durch persönliche Betreuung, diesen schweren Schritt für die
Mieter möglichst gut abzufedern. Dazu bezahlen wir selbstverständlich
den Umzug und gewähren darüber hinaus Unterstützung in
unterschiedlicher Form. Dass es trotzdem ein harter Einschnitt für die
Betroffenen ist, wissen wir. Aber wir versuchen es vertretbar zu
gestalten. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auch darauf, dass wir
für den Abriss des Hochhauses Remscheider Straße 3a insgesamt 125
Mietparteien frei lenken mussten. Das ist uns gelungen, ohne
dass es zu Konflikten kam, die vor Gericht oder beim Mietrechtsverein
landeten. Drei Viertel der Mieter sind uns auch treu geblieben, was uns
sehr freut. Wir bemühen uns, auch bei der Freilenkung des
Objektes Remscheider Straße 18 - 21 ein ähnlich gutes Ergebnis zu
erreichen. Nach den ersten Gesprächen mit den Mietern, die in den
letzten Wochen gelaufen sind, können wir durchaus optimistisch sein.
Wir bieten dabei übrigens nur solche Wohnungen an, die wir auch
dauerhaft im Bestand halten wollen, also Objekte, für die es keine
Abriss- oder Verkaufspläne gibt. Das möchte ich deshalb betonen, weil
es leider Leute gibt, die aus welchen Gründen auch immer, ständig neue
Gerüchte in Umlauf bringen und damit Unruhe und Verunsicherung unter
den Mietern schüren. Ein solches Verhalten ist absolut unanständig und
nicht zu akzeptieren.
Klaus Hensel: Im Zusammenhang
mit dem Abriss ist immer wieder die Rede von Fördermitteln und
Altschulden. Können Sie einmal kurz erläutern, was es damit auf sich
hat?
Jürgen Scheible: Das ist eine
sehr komplexe Materie, aber ich will gern versuchen, es in einigen
Sätzen zu skizzieren. Der hohe Wohnungsleerstand ist ein Problem, das
in allen Neuen Bundesländern und inzwischen auch in einigen Alten
Bundesländern besteht. Bund und Länder haben Ende der 1990er Jahre
erkennen müssen, dass dieses Problem von der Wohnungswirtschaft allein
nicht bewältigt werden kann. Deshalb wurden Förderprogramme aufgelegt,
die den Abriss von dauerhaft nicht mehr benötigten Wohnungen und den
Fortbestand der betroffenen Unternehmen ermöglichen sollen. In der WGP
hat man das Problem leider zu spät angefasst. Als ich 2003 zur WGP kam,
musste ich feststellen, dass es keine qualifizierte Planung gab, obwohl
etwa 22 Prozent der Wohnflächen leer standen. Die sehr aufwendigen
Anträge auf Förderung und Altschuldenentlastung, die bis zum 31.12.2003
zur Prüfung und Genehmigung eingereicht werden mussten, waren noch
nicht einmal angearbeitet. Wir haben es aber dann mit einer erheblichen
Anstrengung des gesamten Teams "in letzter Minute" geschafft, die
Unterlagen einzureichen und die Genehmigungen zu erhalten. Was die
Altschulden betrifft, so muss man korrekter Weise von DDR-Altschulden
sprechen. Diese Kredite wurden von der Staatsbank der DDR aufgenommen,
um das Wohnungsbauprogramm zu finanzieren. Diese Kredite haben also
nichts zu tun mit den Darlehn, die von der WGP für die spätere
Sanierung der Objekte in Anspruch genommen wurden. Mit der
Wiedervereinigung wurden diese DDR-Altschulden dann nachträglich den
vermeintlich damit finanzierten Immobilien zugeordnet. Gleichzeitig
wurde ein Gesetz verabschiedet, das eine teilweise Entlastung von
diesen Schulden unter bestimmten Bedingungen vorsah. Leider war dieses
Gesetz in vielen Belangen nicht gut durchdacht und führte deshalb zu
neuen Problemen. Als dann der Leerstand stark anstieg, wurde
beschlossen, diese DDR-Altschulden für Abrissflächen zu erlassen, damit
ein Abriss wirtschaftlich überhaupt möglich wird. Anders wäre das für
die Wohnungsunternehmen nicht zu verkraften gewesen und die Branche
wäre zusammengebrochen. Es wird trotz aller Fördermaßnahmen noch
Jahrzehnte dauern, bis diese DDR-Altschulden vollständig getilgt sind.
Deshalb benötigen die Wohnungsunternehmen auch eine solide
wirtschaftliche Basis.
Die Veröffentlichung erfolgte
mit freundlicher Genehmigung des Pirnaer Anzeiger.
Quelle:
Pirnaer Anzeiger Nr. 07/2008, 09.04.2008, Seite 4 www.pirnaer-anzeiger.de
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