07.10.2026 - Eine besondere Begegnung in der Karl-Büttner-Straße
Heute durften wir eine ganz besondere Begegnung erleben: Wir trafen Christa Schäfer auf der Baustelle des fast fertig sanierten Wohnhauses in der Karl-Büttner-Straße 5/5a. Begleitet wurden wir dabei von Pirna-TV und der Sächsischen Zeitung, die diesen besonderen Moment und die Geschichte hinter dem Haus festhielten.
Für Frau Schäfer ist dieses Haus weit mehr als nur ein Gebäude. Hier wurde sie im Januar 1938 geboren und verbrachte ihre Kindheit. Ihre Familie wohnte oben unterm Dach, direkt unter der markanten Blechkuppel.
Ihre Großmutter und ihre Mutter lebten von Anfang an in dieser Wohnung und verstarben auch dort. Später gehörte sogar eine Cousine von Frau Schäfer mit ihrer Familie zu den letzten Bewohnern.
Frau Schäfer hatte zu unserem Besuch alte Fotografien mitgebracht. Bilder aus ihrer Kindheit und Jugend, aber auch Fotos von ihrer Hochzeit, die ebenfalls eng mit dem Haus verbunden ist. Beim gemeinsamen Anschauen wurde deutlich, wie viele Erinnerungen und Lebensabschnitte für sie mit diesem Ort verbunden sind. Das Haus war nicht einfach nur ihr Zuhause – es war der Mittelpunkt eines großen Teils ihres Lebens.
Bei unserem Besuch erzählte Frau Schäfer viele kleine Geschichten aus einer längst vergangenen Zeit – Geschichten, die das Haus plötzlich wieder mit Leben füllten.
Baden, Waschen und ein ganz anderer Alltag
So berichtete sie auch davon, wie früher im Haus gebadet wurde. Eine Badewanne aus Zink musste vom Boden geholt und anschließend wieder zurückgestellt werden. Baden war damals etwas Besonderes und mit viel Arbeit verbunden. Viele der kräftigen Männer waren im Krieg, sodass solche Arbeiten von den Frauen und Familien übernommen werden mussten.
Überhaupt spielte sich vieles gemeinschaftlich im Haus ab. Es gab einen großen Waschtag im Waschhaus, an dem die Wäsche gewaschen wurde – eine Selbstverständlichkeit von damals, die heute kaum noch vorstellbar ist.
Erinnerungen an Krieg und Nachkriegszeit
Frau Schäfer wollte bei ihrem Besuch unbedingt auch noch einmal in den Keller. Genau hierher hatte sie sich als Kind bei einem Angriff im Jahr 1944 mit ihrer Familie geflüchtet.
Sie erzählte, wie sie sich während der bedrohlichen Stunden mit Stricken und Häkeln abzulenken versuchte. Eine kindliche Beschäftigung inmitten einer Situation, die für ein Kind kaum zu begreifen gewesen sein muss.
Noch heute ist dieser Ort für Frau Schäfer mit starken Gefühlen verbunden. Als sie im Keller stand, war sie sichtlich ergriffen und sagte, dass es sie an diesem Ort noch immer schaudert.
Auch die ersten Jahre nach dem Krieg sind Teil ihrer Erinnerungen. Im Hof des Hauses wurde eine Gulaschkanone aufgestellt, um die dort untergebrachten russischen Soldaten zu versorgen. Einige der Soldaten waren in der nahe gelegenen Tanzhalle einquartiert.
Frau Schäfer erinnert sich noch gut daran, dass ihre Großmutter für die Soldaten Spiegeleier braten musste. So wurde der Hof des Hauses in dieser Zeit zu einem Ort, an dem sich der Alltag der Bewohner und die unmittelbaren Folgen der Nachkriegszeit begegneten.
Es sind gerade diese persönlichen Erinnerungen – die alten Fotografien, der Keller während des Angriffs, die Gulaschkanone im Hof, die Soldaten in der Tanzhalle und die Großmutter am Herd –, die die Geschichte des Hauses greifbar machen und zeigen, wie eng das Leben der Familie mit den Ereignissen jener Zeit verbunden war.
Kindheit an der Copitzer Vogelwiese
Trotz der schwierigen Zeiten erinnert sich Frau Schäfer gerne an ihre Kindheit. Sie hatte viel Freiraum, denn die Copitzer Vogelwiese war ihr großer Spielplatz.
Jeden August, wenn die Vogelwiese stattfand, gab es ein Familientreffen. Das war Tradition und gehörte fest zum Leben der Familie. Wenn Frau Schäfer heute mit ihren Kindern durch Pirna-Copitz fährt, geht ihr Blick noch immer zu dem Haus, in dem sie geboren wurde.
Ein Haus mit Geschichte – und einer neuen Zukunft
Heute wird das Haus umfassend saniert und für eine neue Generation von Bewohnern vorbereitet. 12 moderne Wohnungen entstehen hier, die den historischen Charakter des Gebäudes mit zeitgemäßem Wohnkomfort verbinden.
Jede Wohnung verfügt künftig über einen geräumigen Balkon. Auch die Bäder haben mit der früheren Zinkbadewanne nicht mehr viel gemeinsam: Badewanne und Dusche gehören heute zum modernen Wohnkomfort.
Auch bei der Energieversorgung geht das Haus einen großen Schritt in die Zukunft: Erdwärme sorgt künftig für eine nachhaltige und effiziente Wärmeversorgung und ermöglicht einen energieeffizienteren Betrieb des Gebäudes.
Für Frau Schäfer ist es etwas ganz Besonderes zu sehen, wie aus dem Haus ihrer Kindheit ein modernes Zuhause für zwölf neue Haushalte entsteht. Besonders gefreut hat sie sich darüber, dass sie nun noch einmal an den Ort zurückkehren konnte, mit dem sie so viele Erinnerungen verbindet.
Und vielleicht schließt sich damit ein kleiner Kreis: Wo früher die Zinkbadewanne mühsam vom Boden geholt werden musste, entstehen heute moderne Bäder mit Badewanne und Dusche. Wo einst am Waschtag gemeinsam im Waschhaus gearbeitet wurde, werden bald neue Bewohner ihren Alltag gestalten. Und wo im Hof einst eine Gulaschkanone stand, entsteht wieder ein Haus, in dem Menschen leben und neue Geschichten schreiben werden.
Das Haus verändert sich – aber seine Geschichte bleibt.
Wir haben uns sehr gefreut, Frau Schäfer bei ihrem Besuch begleiten zu dürfen und dabei so viel über die Vergangenheit dieses besonderen Hauses zu erfahren. Ein herzliches Dankeschön geht auch an Pirna-TV und die Sächsische Zeitung für die Begleitung dieses besonderen Treffens.
Denn eine Sanierung bewahrt nicht nur ein Gebäude. Sie verbindet Vergangenheit und Zukunft und gibt einem Haus mit Geschichte die Chance, wieder viele neue Geschichten zu erleben.
Hier ein kleiner Fernsehbeitrag:
